New York
New York, New York PDF Drucken E-Mail
Montag, den 26. September 2011 um 03:43 Uhr

 

Zum Abschluss unseres Nordamerika-Reiseteils tauchten wir ein in die Stadt, die niemals schläft - 9/11 hin oder her. Zudem erfüllte sich Olivia den Traum, das US Tennis Open zu besuchen.

von Rafael


Ein lautstarker schwarzer Penner in New Yorks Metro, die unfreiwilligen Zuhörer rundherum sind genervt oder machen auf gleichgültig, doch einige nicken, einer sagt sogar «yeah, you are right». Vielleicht hat der Penner doch nicht so unrecht mit dem, was er in krassestem New Yorker Slang von sich gibt: Wenn einer zusammenbreche in der Metro, wenn einer einen Herzinfarkt habe, niemand würde sich um ihn kümmern, alle würden einfach über ihn rüber steigen und sich nerven, dass er ihnen in den Weg versperrt. Nur wenn Tausende umkommen wie zum Beispiel am 9/11, dann komme die Stadt zusammen...

In diesem Moment betreten zwei weitere Schwarze die U-Bahn und singen a cappella «Stand by me», und zwar so gut, dass sogar die Gelangweilten und die Genervten mitwippen. Wir sind in New York, wie es leibt und lebt: gross, laut, schnell und verrückt. Eine Stadt voller Exzentriker, die in der Masse untergehen. Eine Stadt mit der Einstellung «Ich bin New York, ich bin grossartig, und wenn's dir nicht passt, geht mir das am Arsch vorbei».

Spanisch üben im Big Apple
Olivia und ich haben uns in einem wunderbaren Bed and Breakfast in Union City, auf der New-Jersey-Seite des Hudson River, einquartiert. Obwohl wunderbar ruhig und beschaulich, sind wir von hier mit dem Bus in weniger als fünfzehn Minuten mitten drin im Wahnsinn von Manhattan. Englisch ist in Union City übrigens eine Fremdsprache. Wir sind unter Latinos – vielleicht keine schlechte Akklimatisierung für unser nächstes Reiseziel Südamerika.

Olivia ist in den ersten Tagen in New York kaum mehr anzusprechen. Wenn ich in ihre Augen schaue, sehe ich nur noch Tennis-Rackets. Sie erfüllt sich einen lang gehegten Traum und besucht das US Tennis Open. Da ich ihre Passion für diese Sportart nicht teile, erkunde ich die Stadt in den ersten drei Tagen auf eigene Faust. Nicht weiter schlimm, wenn man seit acht Monaten ständig zusammen reist. Dafür geniesse ich dann die verbleibenden Tage zu zweit wieder umso mehr.

von Olivia

US Open – ein Traum geht in Erfüllung
Natürlich bin ich ansprechbar – vorausgesetzt, es geht um Tennis. Ursprünglich habe ich Tickets für sämtliche Herren-Viertelfinals gebucht, doch der Dauerregen macht dem Spektakel einen Strich durch die Rechnung. Immerhin komme ich an meinem ersten Besuchstag in den Genuss von drei Games des Matchs von Rafael Nadal gegen einen Luxemburger. Die Warterei auf die erhoffte Fortsetzung überbrücke ich mit gezieltem Souvenir-Shopping – es darf ja nicht zu viel Zeugs ins Weltreisegepäck – und Tennis-Philosophieren mit Tom, einem Reisejournalisten aus Florida, den ich einst an einer Reisemesse kennengelernt habe. Der Glückliche hat eine Presse-Akkreditierung für die gesamten zwei Wochen des US Open.

Tags darauf folgt dann endlich der Match, auf den ich mich so lange gefreut hatte: Roger Federers Viertelfinal gegen den Muhammad Ali des Tennis, Jo-Wilfried Tsonga. Doch was ist das? Regen, schon wieder! Und erneut eine Spielunterbrechung. Niemand weiss so recht, ob der Rest des Abends wieder tennislos ausgehen wird, der Unmut unter den Leuten steigt. Doch nach anderthalb Stunden wird das Spiel wieder aufgenommen, das wilde New Yorker Publikum im weltgrössten Tennisstadion ist kaum zu halten. Dies erst recht, als Federers Sieg ohne Satzverlust feststeht.

Meine Freude ist umso grösser, als ich erfahre, dass ich das Ticket der verregneten Night Session des Vortags zwei Tage später doch noch gebrauchen kann. Und dies, nachdem die Organisatoren ständig betont haben, dass dies erst 2012 wieder möglich sei. So chille ich an einem gemütlichen Schattenplätzchen vor mich hin, während sich die weltbesten Tennisspieler in der glühenden New Yorker Sommersonne ihren Schlagabtausch liefern. Die Stimmung im Arthur Ashe Stadium ist genial. In den Pausen zwischen den Games tanzen einige Leute zur bassintensiven Musik und flippen fast aus vor Freude, wenn sie sich auf der grossen Leinwand wiedererkennen. Ja, Big Brother is watching you!

11. September: Polizei, wohin man schaut
Big Brother ist nicht nur am US Open präsent. Der zehnte Jahrestag des 9/11 naht, das Polizeiaufgebot New Yorks wird massiv aufgestockt. An jeder Ecke stehen Polizeiautos und Polizisten, ebenso in den U-Bahn-Stationen. Auch Rafael wird nicht verschont und muss dort seinen Rucksack kontrollieren lassen. Meine Handtasche lassen sie jedoch in Ruhe. Als ob nur der Inhalt von Rucksäcken eine potenzielle Bedrohung wäre. Dennoch, auch um den 11. September herum fühlen wir uns in New York nicht wirklich bedroht von irgendwelchen möglichen Anschlägen. Am Jahrestag selbst frühstücken wir erst einmal gemütlich in unserem B&B, während im Hintergrund im TV die fast 3000 Namen der Opfer heruntergelesen werden. Am Nachmittag machen wir uns auf nach Manhattan und kaufen uns vergünstigte Tickets für das Musical «Chicago» am selben Abend. An die allgegenwärtige Polizei haben wir uns schon lange gewöhnt.

Am nächsten Tag möchten wir das 9/11-Memorial besuchen, das am zehnten Jahrestag eröffnet und worden ist. Doch wir sind natürlich nicht die einzigen, die die zwei Brunnen am früheren Standort der Twin Towers sehen wollen. Da die Tickets – was, das läuft über Tickets? – für den 12. September schon lange weg sind und dies unser letzter Tag in New York ist, bleibt uns nichts anderes übrig, als wieder von dannen zu ziehen. So machen wir einen Spaziergang auf der nostalgischen Brooklyn Bridge im warmen Abendlicht und lassen den Nordamerika-Teil unserer Reise langsam ausklingen...

 


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