Philippinen


Palawan: Stürme, schroffe Felsen und schräge Leute PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 25. Januar 2011 um 11:35 Uhr

Nach dem brütend heissen Mindanao rief die Insel Palawan mit unterirdischen Flüssen, Inselhüpfen im einmaligen Bacuit-Archipel, Tropenstürmen und allerlei schrägen Leuten.

Von Olivia


«Was für ein angenehmes Klima», waren wir uns einig, als wir in Puerto Princesa dem Flugzeug entstiegen. Nach der mörderischen feuchten Hitze auf Mindanao war die Temperatur auf der Insel Palawan geradezu angenehm. Allerdings ist Puerto Princesa, wie so oft auf den Philippinen, ein Stück Zivilisation, das man nicht wirklich gesehen haben muss. Rein funktional gebaut, laut und voller Abgase. Doch hin und wieder ist der Besuch von Städten ein notwendiges Übel, wenn es wieder einmal Zeit ist für Bargeld, Internet und was man sonst noch so alles braucht. Stadtstrände oder Uferpromenaden kann man so gut wie vergessen, man findet an Orten, die dafür grundsätzlich geeignet wären, oft einfach Müllhalden vor. Oder eine betonierte Militärbasis, obwohl auf der Stadtkarte als «Beach» mit entsprechendem Symbol gekennzeichnet.

Der unterirdische Fluss


Schöne Strände sollten wir jedoch noch eine Menge antreffen – nun rief erst einmal der bis vor Kurzem längste unterirdische Fluss, der schiffbar ist (inzwischen hat man einen anderen in Mexiko entdeckt). Um 6.30 Uhr in der Früh sicherten wir uns einen Platz in einem sogenannten Jeepney, einem der bunten, alten Busse, die erst an eine Destination fahren, wenn sie absolut vollgestopft sind. Dreiviertel Stunden später ging es los mit Sack und Pack, auch das Dach war voller Gepäck und Passagiere. Das Fahrzeug diente ebenfalls als Postkurier, der die Dörfer auf dem Weg mit allerlei Dingen wie etwa Satellitenschüsseln versorgte. Nach drei Stunden waren wir endlich in Sabang auf der anderen Seite Palawans angelangt, von wo aus Boote in den unterirdischen Fluss fuhren.

Wir fragten uns allerdings, ob es die lange Fahrt wert war. Nur ein kleiner Teil des Flusses wurde befahren, und der «Gondoliere» erzählte den Gästen nichts ausser das, was man in den Tropfsteinen angeblich so alles erkennen konnte: Dinosaurier, Fische, Marienfiguren, eine nackte Sharon Stone – aber nichts über die Entstehung oder Entdeckung der Höhlen. Spektakulärer wurde es, als unsere Bootsfahrt vorbei war: eines der nachfolgenden Boote mit Höhlenbesuchern kenterte bei der Einfahrt in den Hafen von Sabang in den hohen Wellen.

El Nido – ein gemütliches Nest

Raus aus Puerto Princesa, sagten wir uns, und liessen uns per Minivan nach El Nido im Norden Palawans chauffieren. «Das Nest», wie dieses Küstendorf übersetzt heisst, ist zwar touristischer als andere Orte auf den Philippinen, aber unserer Meinung doch noch mit einem gewissen lokalen Charme. Der Ort ist berühmt für das vorgelagerte Bacuit-Archipel mit seinen hohen, schroffen Inseln und Felsen, aber auch für die goldenen Sandstrände und die Tauchgebiete. Zu einem der Strände gondelten wir mit einem Kayak und frönten für einige Stunden dem Robinson-Feeling.

Gemütlich war auch unsere Unterkunft in El Nido, ein älteres Beachhouse aus Bambus mit Moskitonetz über dem Bett. Mäuse zwischen Dach und Zimmerdecke sowie Geckos an den Wänden waren selbstverständlich und kein Problem für uns. Hauptsache, die Mücken blieben von uns fern, was sie erstaunlicherweise taten – sogar bei Olivia und auch ausserhalb des Moskitonetzes. Interessant war das Klo: Wenn draussen Flut herrschte, war es schwierig, etwas herunterzuspülen. Derweil war es bei Ebbe kein Problem. So nannten wir unsere Toilette fortan das Gezeiten-Klo.

Auch die Restaurants hatten stets mit dem Meer zu tun, sind sie doch so nahe ans Wasser gebaut, dass die Wellen bei Flut zum Teil die Schwelle zum Lokal überschreiten. Bei Ebbe wird dann einfach wieder draussen gestuhlt, bis die nächste Flut kommt.


Der Tropensturm

Am zweiten Morgen in El Nido wurden wir von Rufen von mehreren Männern geweckt. Eine morgendliche Party? Nein, die Männer, rund ein Dutzend an der Zahl, schoben ein gestrandetes Boot ins sichere tiefere Wasser zurück. Ein tropischer Sturm war über El Nido und viele andere Gebiete gefegt und hatte allein im Dorfhafen 13 Boote zerstört. Über den ganzen Strand lagen Bootsteile verstreut.

Weil das Wetter noch immer rauh war, fiel unsere geplante Inselhüpf-Tour mit Strandübernachtung ins Wasser. Immerhin war zwei Tage später eine eintägige Tour möglich, wenn auch bei immer noch windigem Wetter. Obwohl wir beim Schnorcheln nur eine trübe Sosse sahen, lohnte sich das Inselhüpfen – besonders wegen des «Secret Beach» auf einer unbewohnten Insel, wo wir zwischen Felswänden und Sand ein lokales Mittagessen genossen.



Das Festival
Nach der Sturmnacht begaben wir uns, anstatt aufs Meer hinaus, ein Stück weiter landeinwärts, wo ein Festival für das «Santo Niño» (heiliges Kind) stattfand. Die 20 Kilometer ab El Nido ratterten wir mit einem Tricycle (etwas Dreirädriges zwischen Töff und Auto) über Schotterpisten und brauchten dafür fast eine Stunde. Und die genossen wir: sattgrüne Reisfelder mit Wasserbüffeln, üppige Regenwälder und weisse, reiherartige Vögel.

Für das Festival hatten sich sämtliche Schulkinder verkleidet für einen grossen Umzug und Tanzvorführungen zu Trommelklängen. Die Tribüne aus dünnen Holzstämmen drohte unter der Last all der Zuschauer zusammenzubrechen.

Von langen Nasen und dem Simon-Ammann-Klon
In den paarTagen in El Nido lernten wir viele Leute kennen, sowohl Einheimische als auch Touristen – vorwiegend Europäer. Weil das Dorf so klein ist, haben wir die Leute auch immer wieder angetroffen. So gaben wir ihnen mit der Zeit Namen: Da waren die beiden «Party-Genfer» mit chronischer Alkoholfahne, oder «die Nasen»: zwei Eheleute aus Polen, die derart lange Nasen hatten, dass wir uns fragten, ob sie sich in einer Selbsthilfegruppe für langnäsige Personen kennengelernt hatten. Nebst dem Ladyboy eines Restaurants tummelte sich in El Nido eine halbjapanische Hardcore-Reisende aus England, die seit bald zwei Jahren Asien und Ozeanien bereist und seit ein paar Monaten ein absolut humorfreies französisches Paar im Schlepptau hat. Da war das «wandelnde Tonband», eine junge Kanadierin, einiges unterhaltsamer. Im Restaurant mit dem wohlklingenden Namen «Seaslug» begegnete uns schlussendlich die philippinische Version von Simon Ammann, mit dem kleinen Unterschied, dass der Filipino der Sänger der Liveband im Restaurant war. Was für eine Stimme! Wir waren so begeistert, dass wir am Abend darauf gleich nochmals beim «Seaslug» einkehrten.

Die Weiterreise
Eigentlich wollten wir El Nido mit der Fähre nach Coron verlassen, eine 135 km entfernte Insel im Norden Palawans. Doch bei dem stürmischen Wetter, das seit Tagen herrschte, fuhren die Fähren entweder gar nicht oder brauchten wegen des hohen Seegangs 12 bis 14 statt 8 Stunden. Dies wollten wir uns nicht antun, auch deshalb nicht, weil Anfang Januar eine Fähre auf dieser Strecke gesunken war. Und so brausten wir kurzfristig mit dem Minivan zurück nach Puerto Princesa. Von dort aus flogen wir weiter in die Region Bicol im Südosten der Insel Luzon, wo Vulkane und Walhaie warteten. Mehr darüber im nächsten Blog...

 

 
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