West-USA
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Samstag, den 18. Juni 2011 um 07:47 Uhr

Von Rafael

Von Riesenbäumen und Klapperschlangen im Sequoia- und Kings-Canyon-Nationalpark und einem fast stadtartigen Yosemite-Nationalpark.


Ich muss meinen Massstab ganz neu ansetzen, zumindest was Bäume anbelangt, denn was im Sequoia-Nationalpark steht, kann nur mit dem Wort gigantisch beschrieben werden. 83,79 Meter hoch, ein Umfang von 31,27 Metern und einem Volumen von 1486,9 Kubikmetern: Der General Sherman Tree, seines Zeichens der grösste Baum der Welt. Zwar nicht in der Höhe, aber volumenmässig ist er der absolute Spitzenreiter. Dieser Baum ist nur einer von vielen riesigen bis über zweitausend Jahre alten Mammutbäumen hier im Sequoia-Nationalpark. Ich glaube, ich habe mich das letzte Mal als kleines Kind so gefühlt, wenn ich durch einen Wald gestreift bin.

Wir campen auf über 2000 Metern über Meer zwischen nicht mehr ganz so riesigen Bäumen, aber immer noch gross genug, um unseren Bus winzig erscheinen zu lassen. Es ist empfindlich kalt, die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, es liegt teilweise noch Schnee. Zwar sind wir mittlerweile für solche Bedingungen ausgerüstet, trotzdem wird es Zeit, in tiefere Lagen zu wechseln. So campen wir die nächsten Tage im Kings Canyon, der zusammen mit dem Sequoia einen Nationalpark bildet. Wir sind nicht allein, teilen den Campground mit unzähligen Eichhörnchen und ebenso vielen anderen Campern, es ist eben Memorial-Day-Weekend hier in den USA.

Mein Wunsch ist eine Zweitages-Wanderung zum etwas höher gelegenen Paradise Valley. Olivia lässt sich aber für das Vorhaben, in Kälte und Schnee zu zelten, nicht erwärmen. Und so macht sie mir weis, wie hirnverbrannt meine Idee ist, bis ich mich schliesslich zu einer eintägigen Wanderung erweichen lasse. Als wir am nächsten Tag im Paradise Valley auf Dutzende von Wanderern mit Übernachtungsgepäck treffen, die eine mehrtägige Wanderung vorhaben, fuchst es mich dann schon ein wenig. Ich gebe zu, wir müssen einige schwierige Schneefelder und Lawinenkegel überqueren, aber das Gefährlichste ist für mich immer noch die Klapperschlange, auf die ich beinahe trete. Es fehlen nur etwa 30 cm. Zum Glück ist sie nicht auf Konfrontation aus und verschwindet blitzschnell unter dem nächsten Stein. Nicht aber, ohne mir mit ihrem so typischen Klapper-Zisch-Geräusch zu imponieren. Huh, das war knapp.

Kalifornische Gastfreundschaft
Dank Olivias Connections nach Kalifornien dürfen wir vor und nach unserer Exkursion zu den Riesenbäumen die überaus grosszügige Gastfreundschaft von Marilyn und John in Anspruch nehmen. Sie sind die Grosseltern von Christina, einer Freundin von Olivia, aus der Schweiz. Ich glaube, ich habe auf dieser Reise noch nie so viel gutes Essen aufs Mal gegessen. Marilyn mästet uns regelrecht, und der Zweit-Weltkriegs-Veteran und Mechaniker John kümmert sich so rührend um unsere Rostbeule, dass ich glaube, sie habe in ihrem langen Autoleben noch nie so geglänzt.

Yosemite, die überrannte Schönheit
Eine zweispurige Strasse in jeder Richtung, geteerte Fussgänger-und Velowege, Restaurants, Lodges, Stallungen, riesige RV-Parks und Campingplätze, ein Spital, eine Zahnklinik, ein Gericht und sogar ein Gefängnis, und dies alles clever versteckt im Wald. Ein Stadtpark, oder eine Stadt im Park? Dies ist das Yosemite Valley, im viertältesten und einem der berühmtesten Nationalparks der USA. Doch diese Berühmtheit hat ihren Preis. Wer einsame Wildnis sucht, der ist hier fehl am Platz. Wir teilen den Park mit ungefähr zehntausend weiteren Besuchern. Letztes Jahr waren es über vier Millionen, dieses Jahr werden viereinhalb Millionen erwartet. Olivia gelingt es, am Reservationstelefon einen der sehr begehrten Campingplätze im Tal zu ergattern. Wir campen zwischen Wohnmobilen von der Grösse von Reisecars, mit ausfahrbaren Seitenwänden und Offroader im Schlepptau für die kleineren Ausflüge. Ja die Amerikaner lieben das Campen, und sie lieben es gross.

Wir nehmen das Yosemite Valley so, wie es ist, eine Attraktion wie der Pilatus, die Eiger-Nordwand oder das Jungfraujoch und erfreuen uns auf ausgedehnten Tageswanderungen an der überwältigenden Landschaft. Erstaunlich, wie schnell sich das Touristenfeld lichtet, wenn die Wanderwege etwas steiler und anstrengender werden.

Grüne Wiesen, ausgedehnte Wälder und die typischen riesigen, massiven Granitfelsen, über die wie aus dem Nichts reissende Wassermassen in die Tiefe donnern und uns mit ihrer in allen Regenbogenfarben leuchtenden Gischt besprühen. Die Natur hier ist wahrhaftig gigantisch.

 
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